Samstag, 11. März 2017

Wofür kämpfst Du?-Blogtour zu Splitterleben





Meine Lieben,

HERZLICH WILKOMMEN und schön dass IHR da seid! Wie ich letzte Woche schon verkündet habe, dreht sich heute alles um die Blogtour zu Splitterleben von der lieben Jenna Strack. In genau zwei Tagen erscheint der Roman und ihr solltet auf alle Fälle schnell zugreifen. Nun aber zurück zum Thema: In Splitterleben geht es um die 17-Jährige Mia, die eine leidenschaftliche Läuferin ist. Nichts möchte Sie mehr als ihr großes Hobby zum Beruf zu machen. Doch dann wird eine unheilbare Krankheit bei Mia festgestellt namens "systemischer Lupus Erythematode". Von einer Sekunde auf die andere scheint es, Mias`s Leben würde in tausende von Splittern zerbrechen und Sie erst lernen, es wieder zu einem Ganzen zusammenzufügen!

Wofür kämpfst du?

So lautet die Frage, mit der ich mich heute beschäftige. Eigentlich kämpft jeder für irgendetwas und mag es auch für die Außenwelt noch so unbedeutend sein. Ich glaube auch, dass wir schon alle den Satz "Mein Leben ist ein ständiger Kampf!" gehört haben und uns selber dachten "Bei wem ist das nicht so?". Ich bin gerade mal vor drei Tagen 18 geworden und wie es so schön heißt noch blutjung. Was könnte man mit 18 schon für einen schlimmen Kampf erlebt haben? Und sicherlich gibt es noch viele andere Menschen, die mehr kämpfen mussten als ich und das vielleicht schon Jahre lang. Doch es gibt eine Geschichte, die ich euch heute gerne etwas näher bringen möchte. Sie liegt mir sehr am Herzen, denn wenn auch der wahre Kämpfer nicht ich war, bin ich wie ein Soldat seinem Kampf gefolgt und habe ihn bis zum Ende ausgetragen. Auch heute noch trage ich diesen Kampf ein Stück aus. Für Ihn!

Bevor ich mit dem eigentlichen Kampf beginne muss ich ein bisschen weiter ausholen und nehme euch mit in meine Kindheit...

2006-2008

Keine Sorge! Ich werde jetzt nicht alle alten Kindergeschichten aus der Schublade herauszerren und euch damit nerven, was ich damals erlebt habe. An die meisten Tage kann man sich sowieso nur mit Lücken erinnern. 

Meine Familie ist einfach ALLES für mich! Seit ich denken kann, war ich jede Woche bei meinen Großeltern. Sie wohnten gerade mal 10 Minuten zu Fuß und zwei Minuten von meiner Grundschule weg. Und was gibt es schöneres als nach der Schule Oma und Opa zu besuchen. Schon damals hatte ich die beiden unfassbar lieb, aber erst mit dem Tod meines anderen Opa´s (Väterlicher Seits) habe ich meinen Opa mit anderen Augen wahrgenommen. Nach meinem Papa war er nun die einzige männliche Bezugsperson. Er hatte mich damals aufgefangen und beigebracht, dass das Leben auch nach dem Tod für die anderen weitergeht. 
Nur zwei Jahre danach wurde er selber todkrank. Ich war 9 Jahre alt und natürlich habe ich gewisse Sachen mitbekommen, aber wie das halt mal so ist versuchten meine Eltern und meine Großeltern das nicht in meine Nähe zu bringen. Seine Leber war von zwei Tumoren gefangen und ohne eine neue Leber bestand keine Hoffnung. Mein Opa war zu diesem Zeitpunkt 65 Jahre alt. Heißt es nicht immer mit 66 Jahren fängt das Leben an?! Doch die Ärzte bei uns hielten wohl nicht viel von Udo Jürgens. In ihren Augen war es nicht mehr "lebenswert" einen für Sie alten Mann mit einer neuen Leber auszustatten. Nur ein Klinikum in Berlin hat sich dazu bereit erklärt eine Lebertransplantation durchzuführen. Schon zu diesem Zeitpunkt war mein Opa ein unglaublicher Kämpfer. Wir Fische geben eben nicht so schnell auf! Also wurde das durchgezogen und auch wenn der Anfang etwas holprig war, hat er überlebt. Es kamen immer mehr Medikamente dazu, welche er täglich einnehmen musste und von einigen Gewohnheiten musste er sich trennen. Aber was waren diese Opfer schon im Vergleich für ein paar weitere Jahre. Es schien als hätten wir gewonnen...

2009-2013

Natürlich gab es auch in dieser Zeit schlechte Tage, die so grau wie die Wolken waren. 2010 hätte ich beinahe wegen einem Blinddarmdurchbruch mein Leben verloren, aber das ist eine andere Geschichte. Ich erinnere mich gerne an die schönen Stunden. Wie ich mit meiner Oma über jedes Thema sprechen konnte und mein Opa und ich uns auch ohne viele Worte verstanden haben. Es war wie ein magisches unsichtbares Band, welches niemand zertrennen konnte. Und auch heute noch habe ich unser Lachen im Ohr...

2014-2015

Mittlerweile war ich 15 Jahre alt und mitten im Abschlussjahr. Da kam natürlich die große Frage "Was willst du nach dem Realschulabschluss machen?". Nach einiger Zeit hatte sich bei mir herauskristallisiert, dass ich gerne eine Ausbildung machen möchte. Zugegeben war ich erst auf der technischen Schiene und wollte Fertigungsmechanikerin werden. Das Praktikum war sehr handwerklich und heute bin ich wirklich froh, dass ich eine andere Entscheidung getroffen habe. Ich war und bin zwar sehr ehrgeizig, doch ich glaube dieses Handwerk liegt mir auf Dauer nicht. Und wie das in Filmen immer so ist lichtete sich der Nebel und offenbarte mir eine Zukunft als Bankkauffrau. Mein Opa platzte vor Stolz das ich bei der Bank anfing und hat mich dafür bewundert. Dabei war er die Person die ohne Pause bewundert werden sollte. 

Seit dem Sommer 2014 ging es ihm deutlich schlechter, doch zuerst war nicht klar woran das lag. Ende November entdeckten die Ärzte plötzlich einen schwarzen Fleck auf seiner Lunge. Es wurden einige Untersuchungen durchgeführt und am 8.Dezember lag das Ergebnis vor: Lungenkrebs. Als ich es erfuhr fühlte ich mich, als wäre in mir ein kleiner Riss entstanden. Kaum zu sehen, aber mit höllischen Schmerzen verbunden. Plötzlich war er wieder da. Als wäre er ein alter Freund, der einen längeren Urlaub gemacht hat nur um erholt und noch stärker wieder an unserer Tür zu klopfen. "Na, habt ihr mich vermisst?", schien er zu sagen. "Diesmal werde ich euch länger beglücken." Die Diagnose Asbest Krebs, der 40 Jahre im Körper geschlummert hat und puff ausbricht. Ich hätte durchgehend in dieser Woche schreien und weinen können. Mir war unbegreiflich, wie nichts, gar nichts früher auffallen konnte, obwohl mein Opa jede Woche wegen seinen Blutwerten beim Arzt war. Und dann bekommt man eiskalt ins Gesicht gesagt das man mit Chemo vielleicht ein gutes Jahr und ohne noch 4 Monate auf der Erde verbringt. Ich glaube mein Opa hat das am Anfang alles von sich weggeschoben und nicht realisiert. Während meine Oma und meine Mama ihren Tränen freien Lauf gelassen haben, meinte er nur ab wann die Chemo losgehen könnte. Er hatte noch Hoffnung oder genug Kampfgeist, um ohne mit der Wimper zu zucken weiterzumachen. Er hat auch hauptsächlich nicht mehr für sich selber gekämpft, sondern für uns! Seine drei Mädels.
 
Ab diesem Zeitpunkt habe ich meine Tränen getrocknet und keine einzige mehr vor anderen vergossen. Ich habe nur die Hoffnung im Blick gehabt und sie nicht mehr losgelassen. Keine Sekunde. Ich habe angefangen meine Wut, meine Ängste und Gedanken in Texten zu verarbeiten. Das hat mir geholfen meinen inneren Wolf zu finden und mit ihm zusammen zu kämpfen. Ich war bei seiner ersten Chemo dabei, beim ersten Anfall und auch beim zweiten Anfall. Der Krebs bringt nicht viel Freude mit sich, aber wenigstens hat er uns noch ein gemeinsames Weihnachten geschenkt. Mein Opa war für 4 Tage raus aus dem Krankenhaus und konnte einige Stunden mit uns verbringen. Für uns anderen war es ein trauriges Fest, weil uns bewusst war, dass es wahrscheinlich das letzte zusammen sein würde. Er war schon so gekennzeichnet von seinem alten Freund und eine Hülle seines früheren Selbst. Und trotzdem war er immer noch der Mensch, der mit mir lernte "Ich liebe dich" zu sagen. Er war so wundervoll. Wenn er meine Hand in seine legte fühlte ich mich sicher, geborgen und geliebt. Ich habe an diesem Abend ein Armband von ihm geschenkt bekommen mit einem Unendlichkeitszeichen "Endless Love". Und ich schenkte ihm mein Lächeln und einen Teil meines Herzens.

In den folgenden 2 1/2 Monaten ging alles so rasend schnell. Ich hatte durch die Schule, das Krankenhaus und dem Ganzen kaum Zeit Luft zu holen. Das Krankenhaus wurde mein zweites zu Hause, aber was macht das schon, wenn du die weißen kahlen Wände betrachten musst, wenn dein Gegenüber dich langsam verlässt und du nur die Zeit anhalten möchtest. Mein Wunsch war es mein 16.Geburtstag mit ihm zu verbringen, ein Foto auf meinem Abschlussball und ein stolzes Lächeln, wenn ich meine Ausbildung beginne. Doch das Leben ist kein Wunschkonzert! Ich wurde Anfang Februar 2015 krank, sodass ich nicht mehr ins Krankenhaus durfte. Ich habe eine Woche zuvor mir hintereinander "Das Schicksal ist ein mieser Verräter" und "Now is Good-Jeder Moment zählt" angeschaut, um die Facetten zu sehen. Ich sage euch es war eine Horrorwoche. Erst ich und dann wurden meine Oma und meine Mama krank. Aus Sorge ist keiner mehr ins Krankenhaus gefahren. Wir wollten ihn beschützen. Der Norovirus war schließlich überall und dann ausgerechnet als erstes im ganzen Krankenhaus. 

Am Mittwoch dem 11.Februar erwachte ich von einem Geschrei. Es war das schlimmste was ich je gehört habe. Im ersten Moment dachte ich jemand wäre bei uns eingebrochen. Ich habe mir irgendeinen Gegenstand geschnappt und bin langsam aus meinem Zimmer gehuscht. Und dann hörte ich es das unerträgliche Schluchzen meiner Mama und ein anderes an der anderen Leitung des Telefons. Ich starrte sie nur an. Keine Emotion. Warum kann man sich noch an dieses fürchterliche Gefühl erinnern und die angenehmen verblassen? Plötzlich war ich im Krankenhaus und saß im Aufenthaltsraum. Stunden vergingen. Keiner durfte ohne Schutzkittel und Mundschutz das Zimmer betreten. Als hätte das noch was geholfen. Und nachdem meine Oma, meine Mama und mein Onkel eine ganze Weile hinter der Tür verschwunden waren, durfte ich den Raum betreten. Alleine mit meiner Oma und meinem Opa war ich gefangen. Kein Wort konnte er über die Lippen bringen und ich hielt einfach nur seine Hand. Ich verabschiedete mich, obwohl ich den Abschied nicht akzeptierte. In der Nacht zum 12.Februar verließ mein Held unsere Welt und konnte endlich sein Dasein ohne Schmerzen beginnen.

Zeit ist niemals vorbei, aber manchmal rennt sie dir davon.-Ein Spruch von mir.

Es ist schwer einen geliebten Menschen zu verlieren. Doch ihr dürft nie vergessen, dass diese Menschen ein Teil dazu beigetragen haben, wie ihr heute seid. Was würde ich dafür geben noch einmal seine Stimme zu hören, seine Hand zu halten, seine Wärme zu spüren. Ich hätte ihm gerne noch so vieles gesagt. Aber einen Spruch gibt es, der mir immer noch Hoffnung schenkt.


Die Erinnerung ist ein Fenster durch das ich Dich sehen kann, wann immer ich will.

Der Frühling kam langsam an. Seine Lieblingsjahreszeit. Ohne Ihn. Und doch war dieser Frühling so intensiv, als hätte er nur für meinen Opa geblüht. 

Ich bin 16 geworden, habe meinen Abschluss gemacht und im September 2015 meine Ausbildung begonnen. Mein Kampf? Jeden Tag mein Ziel zu erreichen. Mich an die letzten wunderbaren 15 Jahre zu erinnern. Zu Lachen. Zu Weinen. Zu Genießen. Auch schlechte Tage zu einem Guten zu machen.   Mein Leben zu leben. Sein Leben ein Stückchen weiterzuleben. Für Mich. Für Ihn. Meinen Opa stolz machen.

Jeden Kampf aufs Neue auszutragen. Und das Ziel ihn zu gewinnen. Oder wenigstens ein Unentschieden zu erreichen.

 In Erinnerung an W.G.F., denn allerbesten Opa und meinem Kämpfer des Herzens.-Laura


Nachwort:
Ich hoffe ich konnte euch ein Teil meiner Persönlichkeit näherbringen. Ich habe versucht alle meine Gefühle in diesen Beitrag miteinzubringen und meine Maske fallen zu lassen. Anfangs war es nicht einfach, aber ich bin zufrieden und das ist das Wichtigste. Ich danke dem Universum, dass ich das Glück hatte einen wundervollen Menschen an meiner Seite zu haben. Denn wir sind nicht alle für immer „hier“, aber wir machen das Beste daraus. Ein Teil von uns wird auch die Zeit überleben. Da bin ich mir sicher. Unser Kampf beginnt jeden Morgen neu.

P.S. Ihr könnt es kaum erwarten Splitterleben zu lesen? Dann macht unbedingt bei meinem Gewinnspiel mit, welches liebevoller Weise von der Autorin zur Verfügung gestellt wurde. Mehr dazu findet ihr dann auf Insta:)

Kommentare:

Jenna hat gesagt…

Meine Liebe, das ist wirklich ein trauriger, aber schöner Beitrag <3 Dein Opa war wirklich ein richtiger Kämpfer, in dem Alter noch eine Lebertranstanplatation und dann greift der Krebs die Lunge an ... furchtbar!!! Aber das wichtigste ist, dass du so viele wunderschöne Jahre mit ihm hattest und dir glückliche Erinnerungen behalten konntest, die dich dein Leben lang begleiten werden! Fühl dich gedrückt!

hannah hat gesagt…

Wow, das ist ein sehr schöner, trauriger und emotionaler Beitrag. Was dein Opa und auch deine Familie und du durchmachen musstet ist wirklich schrecklich, aber dein Opa war ein wahrer Kämpfer!
Danke, dass du diese Geschichte mit uns geteilt hast! Ich hatte leider auch selbst schon mit dem Tod und dem Krebs zu tun und dein Beitrag hat mich sehr berührt und mir irgendwie auch geholfen. Danke ��

Stellette_reads hat gesagt…

HUHU :)
...dein Beitrag ist wirklich WOW...bin erstmal sprachlos gewesen.
Danke, dass du uns an deinem persönlichen Kampf und den deiner Familie hast teilhaben lassen.
Ich schicke dir eine dicke Umarmung.
Alles LIEBE ♥

Aleshanee Tawariell hat gesagt…

Guten Morgen!

Kennst du schon unsere Gruppe für Blogtouren auf Facebook? Vielleicht magst du ja mal vorbeischauen? :)
Wir halten da alles aktuell und verlinken die Beiträge, damit man immer alles im Blick hat und nichts verpasst - bei den vielen Touren verliert man ja leicht den Überblick ;)
https://www.facebook.com/groups/981737925190683/

Liebste Grüße, Aleshanee

Daniela Schiebeck hat gesagt…

Dankeschön für deinen echt tollen Beitrag und einen schönen Montag wünsche ich noch.

Liebe Grüße,
Daniela

Zeljka Ilic hat gesagt…

Hallo :-)

Wow! Vielen lieben Dank, dass du deine Eefahrungen und Emotionen mit uns geteilt hast. Ich hatte leider auch die Ehrfahung gemacht, dass ein Familienmitglied Krebs hatte. Doch Gott sei Dank ist es gut ausgegangen.

Ich wünsche dir ganz viel Kraft und vor allem Gesundheit ❤

Ganz liebe Grüße
Zeki

(zeki358i@gmail.com)